Krankenhäuser in der Krise – trotz Milliardenhilfe

Krankenhäuser in der Krise – trotz Milliardenhilfe

45. Deutscher Krankenhaustag vom 14. bis 17. November 2022

„Die Krankenhäuser in Deutschland befinden sich in einer multiplen Krisenlage, die tagtäglich bewältigt werden muss. Es wird darum gehen, wie trotz Energiekrise, Teuerung und Personalknappheit die Versorgung der Patientinnen und Patienten möglichst flächendeckend gewährleistet werden kann. Dass die Politik – wenn auch sehr spät – entschieden hat, die Krankenhäuser mit einem acht Milliarden Euro-Hilfspaket zu unterstützen, führt dazu, dass drohende Insolvenzen wegen der galoppierenden Inflation gebannt werden. Wir bauen alle darauf, dass sie ihr Versprechen, kein Krankenhaus soll aus Gründen der Inflation und der Energiekostenteuerung schließen muss, einhalten wird, denn hier geht es um den Erhalt einer Infrastruktur, die für die Bürger mit zu den wichtigsten gehört“, erklärte Dr. Josef Düllings, Kongresspräsident des 45. Deutschen Krankenhaustags, bei der Eröffnungspressekonferenz in Düsseldorf. Der VKD-Präsident begrüßte das Vorhaben der Bundesregierung einer finanziellen Unterstützung für die Pädiatrie, Kinderchirurgie und Geburtshilfe. „Sie muss angesichts der Situation in diesem wichtigen Bereich zügig erfolgen. Hier wurden bereits zu viele Lücken gerissen. Inzwischen ist man in Berlin aber offenbar von der Höhe der zugesagten Finanzhilfe schon wieder abgerückt. Sicherheit vermittelt so ein Prozedere leider nicht. Inzwischen werden weiter Geburtshilfen geschlossen“, warnte Düllings.

Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), machte deutlich, dass weitreichende und grundsätzliche Reformen im Krankenhausbereich und darüber hinaus notwendig seien. „Diese Reformen müssen aber, wenn sie am Ende auch erfolgreich in der Umsetzung sein sollen, einem Leitbild folgen wie die Patientenversorgung in Zukunft ausgestaltet sein soll. Das muss am Anfang stehen und dazu braucht es einen Konsens zwischen den politisch verantwortlichen Ebenen also Bundesregierung und Bundesländer. Dann können Expertenkommissionen sich ans Werk machen, die richtigen Instrumente zu entwickeln, um dieses gemeinsame Leitbild zu erreichen“, so der DKG-Vorstandsvorsitzende. Darüber hinaus unterstrich Gaß, dass die Corona-Pandemie weiterhin die Krankenhäuser belaste. „Tagtäglich spüren die Krankenhäuser weiterhin teils massive Auswirkungen. Die Kliniken leiden vor allem unter starken Personalausfällen durch Isolation und Quarantäne. Und noch immer meiden zu viele Patientinnen und Patienten aus Ansteckungsangst die Krankenhäuser. Das hat nicht nur wirtschaftliche Folgen für die Kliniken, vor allem werden weiterhin viele Erkrankungen so nicht erkannt und behandelt“, so Gaß.

Dr. Sabine Berninger, Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland (ADS) sowie des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), betonte den weiterhin großen Handlungsbedarf im Bereich der Pflege. „Wir brauchen dringend einen Master-Plan für die Pflege, an dem wir gemeinsam arbeiten können“, forderte die Pflegedirektorin des KJF Klinik Josefinum. Gleichzeitig kritisierte Berninger, dass die Pflegeverbände nicht in die Gestaltung des Corona-Pflegebonus einbezogen wurden. „Wäre das erfolgt, dann wäre vielleicht eine Bonuszahlung gekommen, die nicht für Unruhe sorgt und ein großes Ungerechtigkeitsempfinden in der Pflege auslöst“, so Berninger. Lediglich die Steuerfreiheit des Pflegebonus bis 3.000 Euro sei positiv hervorzuheben. Zudem forderte sie die kurzfristige Einführung der Pflegepersonalregelung 2.0 (PPR 2.0) als Übergangsinstrument. „Was aber gerade im Krankenhauspflegeentlastungsgesetz geregelt werden soll, ist keineswegs die PPR 2.0 wie sie von DPR, DKG und ver.di entwickelt wurde. Deshalb sei es dringend notwendig, die PPR 2.0 im Sinne ihrer Entwickler und mit ambitionierten Zielsetzungen des Personalaufbaus verbindlich einzuführen. 

Dr. Michael A. Weber, Präsident des Verbandes leitender Krankenhausärztinnen und -ärzte (VLK), verdeutlichte, dass die weiter bestehende Pandemie, Inflation und Energiekosten einen immensen finanziellen Druck auf die Kliniken bewirken. „Personalmangel- und ausfälle führen zu Überlastung und Engpässen trotz rückläufiger Patientenzahlen“, so der VLK-Präsident. Gleichzeitig versucht die Regierungskommission das Rad in Sachen Krankenhausreform und Planung gerade neu zu erfinden. „Sie redet aber nicht mit den Ländern, die qua Gesetz zuständig sind und ohne die nichts gehen wird“, so Weber. Zudem werden die zahlreichen konstruktiven Vorschläge der Verbände einfach ignoriert. Viele Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Pflege seien auf dem Tisch. „Aber es schleicht sich die Furcht ein, es könnte zu Lasten der überforderten Ärzteschaft gehen. Ein zwingend notwendiger Bürokratieabbau würde viel Zeit zur besseren Patientenversorgung freisetzen“, machte der VLK-Präsident deutlich.

Klinikvertreter und Politik werden im Rahmen der Auftaktveranstaltung des 45. Deutschen Krankenhaustages sowohl die aktuellen Entwicklungen als auch die Anforderungen für den Kliniksektor und die Erwartungen der Krankenhäuser für die laufende Legislaturperiode debattieren. „Reformpolitik quo vadis – was wird aus dem Koalitionsvertrag?“ – so lautet das Motto des Kongresses, der vom 14. bis 17. November 2022 im Rahmen der weltweit größten Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf stattfindet. Die Teilnahme von Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach und seine Rede im Rahmen der Auftaktveranstaltung unterstreichen die herausragende Bedeutung der Kliniken für die Gesundheitswirtschaft. Am 14. November können alle Interessierten ab 12.00 Uhr per Livestream unter www.deutscher-krankenhaustag.de die Auftaktveranstaltung und die weiteren Veranstaltungen des Eröffnungstages verfolgen. Die folgenden Kongresstage werden aufgezeichnet und als Video on Demand auf der Website des Deutschen Krankenhaustages eingestellt.

Die Besucher des Deutschen Krankenhaustages können sich an den vier Kongresstagen auf spannende Debatten mit hochkarätigen Referenten aus Politik, Kliniken, Krankenkassen und Wissenschaft freuen. Ein weiteres Highlight des Eröffnungstages ist die Diskussion zur Weiterentwicklung des Fallpauschalensystems. Die Veranstaltung „Finanzierung im Krankenhaus“ unter der Moderation des Vorstandsvorsitzenden der DKG, Dr. Gerald Gaß, bietet ein Forum für Information und Diskussion rund um die Klinikvergütung. Ebenfalls Teil des Eröffnungstages ist die Verleihung des Zukunftspreises des Verbands leitender Krankenhausärztinnen und -ärzte (VLK) an Dr. Axel Rahmel, Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), sowie des „Awards Patientendialog 2022“, der Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen auszeichnet, die die Situation und Rolle von Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen entscheidend stärken und verbessern.

Die Möglichkeit zur kostenlosen Anmeldung, detaillierte Informationen zum Kongressprogramm und weitere Informationen finden Sie unter www.deutscher-krankenhaustag.de.

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Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V.

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